STV-Senioren-Wandertage 2011 im Bündnerland
Wir haben uns alle auf die drei Wandertage im Bündnerland gefreut. Es soll sogar einige gegeben haben, die am Abreisetag aus reiner Vorfreude schon frühmorgens um 03.30 Uhr aus ihrem Bett gefallen sind. Das Wetter zeigte sich aber wieder einmal von der garstigen Seite, was den einen oder andern veranlasst hat beim Treffpunkt in der Bahnhofhalle ein wenig die Nase zu rümpfen. Trotzdem verlief der Start perfekt, denn wir sind dieses Mal sogar in den richtigen Zug eingestiegen. Rasch erreichten wir mit Bahn und Postauto unser Reiseziel Lenzerheide. Dort bezogen wir unsere Zimmer in dem etwa in der Dorfmitte gelegenen Hotel Touring und bereiteten uns auf eine „Regenschirm-Wanderung“ rund um den Heidsee vor.
Bei einem wohltuenden Kaffee kam es aber vorerst zum ersten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Die Bündner sind aufgeschlossene, zugängliche und freundliche Leute. Am Nachbartisch sass ein typischer urchiger Typ mit Strubelhaar und Vollbart, so eine richtige „Zarli Carigiet-Figur“. Als er hörte, dass wir um den Heidsee wandern wollten, bat er mich im „Lido“ vorbeizugehen und der dortigen Gerantin seine besten Grüsse auszurichten. „Sag ihr einfach es sei vom Gröllhalden-Rocker Mario“ meinte er. Wir haben den Auftrag miteinander mit Handschlag besiegelt. Ich war aber schon ein bisschen enttäuscht als dann diese Gerantin nicht gerade in einen Beifallssturm ausbrach, sondern mich mit grossen Augen und offenem Mund sprachlos anstarrte. Ich weiss noch heute nicht ob dies wegen meiner Botschaft oder wegen meines Berndeutschs war. Auf unserer Wanderung dem Ufer des Heidsees entlang, trafen wir bald einmal auf ein gemütliches Beizli in dem viele kleine köstliche Menüs angeboten wurden. Dort machten wir Halt und liessen es uns gut sein.
Das Nachtessen in unserem Touring-Hotel war eine Überraschung. Ein üppiges Fünfgang-Menü mit Hirschpastete, Suppe, Salatteller, Schweinsrücken-Steak mit Waldpilzen, verschiedenen Beilagen und natürlich mit Dessert wartete auf uns. Übrigens das Menü für einen Preis, der bei uns im Unterland gerade für zwei Scheiben Zwieback, eine halbe Gurke und ein Glas Hahnenburger gereicht hätte. Das Ganze wurde dann natürlich noch begleitet von einem süffigen Bündner-Herrschafts-Wein. Wir tafelten wie die Fürsten.
Am zweiten Tag eine neue Überraschung: strahlendes Wetter, kein einziges Wölkchen am tiefblauen Himmel. Man konnte direkt ins Schwärmen kommen: Grüne Almen, hohe Wipfel und schneebedeckte ewige Gipfel ragen auf in Schönheit hier! Der Sportbus brachte uns zur Talstation der Scalottas-Sesselbahn. Aber statt mit der Bahn in die Höhe zu gelangen, marschieren wir Richtung Sporz zur Mittelstation der Scalottasbahn, der Station Tgantieni, die auf 1790 m liegt. Den steilen Aufstieg zum Piz Scalottas, 2323m, bewältigen wir aber hingegen doch mit der Sesselbahn. Nur Otti und Toni, unsere leistungsfähigsten Bergwanderer, überwanden den Aufstieg zur Spitze zu Fuss. Ein ziemlich kühler, starker Wind pfiff uns hier oben um die Ohren, aber die Aussicht war grandios. Vom Bergrestaurant aus genossen wir die Panoramasicht auf die Lenzerheide, das Oberhalbstein, den Heinzenberg, das Domleschg und auf Teile der Surselva. Für den Rückweg benutzen wir bis zur Mittelstation wieder die Sesselbahn und bewunderten die unter uns sich auf der Alpwiese tummelnden Murmeltiere. Auf dem gemütlichen Globi Wanderweg geht es in Richtung Spoina weiter hinunter zum Heidsee und zurück zu unserem Hotel in Lenzerheide.
Einige hat es dort ins Schwimmbad gezogen. Das Schwimmbad auf der Lenzerheide mit seinen Innen- und Aussenbecken und der grossen Rutschbahn ist eine Attraktion. Da wurde mächtig geschwommen, geplantscht und gerutscht bis das Wasser fast den Beckenrand übeschwappte. Gemäss einem Gerücht soll die Gemeinde deshalb an diesem Tag sogar einen Flutalarm ausgelöst haben! Das Nachtessen war wiederum umwerfend. Der frühere deutsche Fernsehmoderator Hans Rosenthal hätte einen Luftsprung gemacht und hätte gerufen „Das war Spitze !“. Dieses Mal gab es Melone mit Rohschinken, Suppe, Salatteller, Filet Stroganoff mit Beilagen und Dessert.
Gespannt blickten wir dem dritten Tag entgegen. Auf dem Programm stand das Parpaner Rothorn. Das Parpaner Rothorn ist ein erzreicher Berg. Der Sage nach gab es dort Edelmetallgruben (Gold), die noch im 17.Jahrhundert bearbeitet wurden, wenn auch mit wenig Erfolg. Mineraliensammler wissen aber, dass es dort neben Quarz noch Braunspat, Hornblende und Kupferkies zu finden gibt. Eine Gondelbahn brachte uns zu der auf 1904 m gelegenen Mittelstation Scharmoin. Der Himmel war leicht bedeckt und so verzichteten wir auf eine Weiterfahrt zum auf 2861 m gelegenen Gipfel. Die Aussicht von Scharmoin aus war auch so schon überwältigend. Staunend hörte ich einem Einheimischen zu wie er einem Deutschen Touristen die Bergwelt erklärte: dort siehst Du den Bächenstock, den Bifertenstock, den Dammastock, den Mürtschstock und das was Du auf meinen Bergschuh gestellt hast ist Dein Wanderstock!
Ein schöner Wanderweg führte uns von Scharmoin über Alpweiden und durch Wälder zu dem kurz vor Lenzerheide liegenden Berghotel Crest’ota. Dort stärkten wir uns für die Heimfahrt mit einer „zümpftigen“ Suppe oder einem „leckeren“ Teller. Dann hiess es Abschied nehmen vom Bündnerland, von der Lenzerheide mit ihrer schönen Umgebung und ihren freundlichen Leuten.
Es war ein toller und gemütlicher Aufenthalt und unser Dank gilt Willy und Therese Bögli für ihre grosse Arbeit bei der Vorbereitung der Reise, der Suche nach der Unterkunft und für ihre souveräne Führung bei den Wanderungen.
Urs Stopper

